|
Göttliche Gnade als Weg zum Selbst
Sehr oft hört man das Wort "Gnade" im Kontext von "göttlicher Gnade". Doch was ist jene Gnade? Wieso ist Gnade ein Geschenk Gottes? Dieser Artikel behandelt die Frage der Gnade jenseits der klassischen christlichen Ansicht.
Vorweg: seht nicht Gott als Außenstehenden alten Mann, der euch etwas gibt - Gnade. Außen wie Innen ist eins. Gott ist in euch. Euer wahres Selbst schenkt die Gnade und erlöst das Ego. Gnade ist Satori, Samadhi, Ananda, Erleuchtung, die vollkommene Gotterfahrung. Dies zu erleben bzw. zu erfahren ist nicht zu beschreiben, da jede Beschreibung im Verstand entsteht, die Erfahrung aber jenseits des Verstandes stattfindet. Ich erinnere mich als Baba in Indien mir für ca. 30 Sekunden diesen Zustand schenkte und schon nach den 30 Sekunden war es "zu viel", nicht zu ertragen vor lauter unbeschreiblicher Vollkommenheit, Schönheit und Intensität. Heute weiß ich, dass das eigene Nervensystem damals noch nicht genug geschult war um dieses Potenzial zu halten bzw. zu kanalisieren. Um dies bleibend oder länger anhaltend "ruhig" zu erleben erfordert es viel Übung und Disziplin, an welchen es den meisten Suchenden mangelt. Für mich war das Erlebnis ein Geschenk, ein Hinweisschild was irgendwann vielleicht möglich sein wird. Es hat mich Demut gelehrt und ist Antrieb für Jahre des Lernens, die da noch kommen. Ein Weg des Lernens ist der Weg der Meditation, die keine Übung sondern ein Zustand ist.
Konzentration führt zu Kontemplation (die Übergangsphase), Kontemplation zu Meditation - die Verschmelzung mit Gott. Wiederum "meditieren" vielleicht 2 Personen unter 1.000.000 Menschen. Im Alltagsgebrauch wird aber so gerne das Wort "meditieren" verwendet, was es jedoch nicht ist.
Die Gnade Gottes (=Erleuchtung, Samadhi, etc.) erreiche ich durch vollständige Beruhigung des eigenen Geistes (Bewusstsein und Unterbewusstsein sind geklärt = eine ruhige Wasseroberfläche, frei von Resonanzen) sodass sich das Höhere Selbst (der göttliche Wesenskern) spiegeln kann und dadurch alles zu Einem wird (Wahrnehmung des Außen wie die Wahrnehmung des Inneren). Am Weg dorthin ist es notwendig den Geist vollkommen leer zu bekommen (=keine Gedanken, keine Emotionen). Da wir es nicht schaffen an "nichts" zu denken wird im Übergang der Geist auf das Ziel = Gott ausgerichtet. Hierfür verwendet man eine Übung namens "Namasmarana" - die Wiederholung des Namen Gottes. So führt die Wiederholung des Namens zur Gedankenleere und somit zur Gnade.
Um Gnade zu Erreichen gibt es einige gehaltvolle Übungen, bei denen man weiß, dass die persönliche Entwicklung sehr gefördert wird. Eine davon ist Namasmarana. Doch wie bei allen Dingen kommt es sehr oft zu folgenden Problem: Menschen trauen Erfahrung anderer nicht. "Lehrer" werden kritisch betrachtet sobald eine überreichte Übung oder Medizin nicht schmeckt. Gerade wenn es um die Thematiken Überheblichkeit und Disziplinlosigkeit geht sind die Hände gebunden. Eine Lösung wird aufgezeigt, die bei jedem Menschen bei richtiger Anwendung funktioniert, doch wird diese verworfen, weil ich mich im Moment nicht danach fühle. Früher haben Sabine und ich versucht "Überzeugungsarbeit" zu leisten, doch dies hat nur ins Chaos geführt. Heute weiß ich, es ist viel sinnvoller zu schweigen. Für manche sind Umwege Teil des Plans und gut so. So gibt es kein richtig oder falsch.
Doch wie weiß wo ich nun in meinem Leben und meiner spirituellen Suche tatsächlich stehe?
- wie sieht mein Leben aus? - sind meine Emotionen stetig in der Mitte? - sind meine Gedanken geklärt und eine ruhige See? - erlebe ich Glück und Fülle (dies ist ein innerer Zustand, unabhängig von äußeren Umständen)?
Kann ich all dies mit Ja beantworten, werde ich wahrscheinlich gerade anderen Menschen helfen, dies selbst auch zu finden. Habe ich aber ein "Nein" bei diesen Fragen, dann hilft es jemanden zu vertrauen, der dies mit "Ja" beantworten kann um durch die Erfahrung des Anderen zu lernen. Deswegen sollte man am Anfang kritisch prüfen, doch wenn ich das Vertrauen schenke, sollte ich auch Übungen annehmen, die ich vielleicht noch nicht verstehen kann oder auch nicht nachfühlen kann.
Ich selber habe NICHT vertraut. Und wurde dann von mindestens drei verschiedenen Richtungen immer auf das Selbe "hingestoßen". Natürlich verging Zeit und ich litt auch unter unterschiedlichsten Dingen. Es mangelte mir an Vertrauen, Disziplin und mein Ego war zu stark im "ich weiß es alles, ich habe alles in mir" verhaften.
Wir sollten nie vergessen
Ja, ich habe alles in mir. Doch dieses "alles in mir" ist verschüttet durch die eigenen Resonanzen, dem Unbewussten und anderen Prägungen. Wie kann ich da jenen Verfärbungen trauen? Wenn mir nun jemand eine Schaufel reicht, um die Steine aus dem Weg zu räumen, wäre es nicht sinnvoller vom hohen Ross zu steigen und die Schaufel anzunehmen? Oder antworte ich: "das brauche ich nicht", ich habe es alles in mir. Und man beginnt mit bloßen Händen zu graben und findet nach drei Monaten eine Schaufel und wundert sich...
Namasmarana ist eine jener Schaufeln...
Umarmung von Herzen,
Matthias
|